Nacht der Jugend

11. November 2011


Historischer Hintergrund

9. November 1938

Vergrössern: Staatspolizei Stiefelgetrampel. Scheiben gehen zu Bruch. Nachbarn werden geschlagen und abtransportiert. Schreie. Quietschende Reifen. SA und SS zerstören jüdische Einrichtungen in der Innenstadt, in Harburg, Altona und Wandsbek. Überfälle auf Geschäfte. Passanten machen einfach mit. Die Polizei sieht tatenlos zu. Es wird geplündert, demoliert und wahllos zugeschlagen. Rund 1.000 Hamburger verhaftet, ins Gefängnis Fuhlsbüttel gebracht, anschließend in Konzentrationslager verschleppt. Viele überleben die Qualen der nächsten Monate und Jahre nicht.

Der 9. November 1938 ist ein zentrales Datum für die Radikalisierung der Judenverfolgung. Von den nationalsozialistischen Tätern verniedlichend als "Reichskristallnacht" tituliert, fanden die damaligen antijüdischen Gewaltausbrüche als "Reichspogrom" Eingang in die Geschichtsbücher. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1938 zerstörten Angehörige der SA und SS jüdische Einrichtungen z.B. am Bornplatz, in der Rutschbahn und in der Oberstraße. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus wurden die Schaufensterscheiben der Modegeschäfte am Neuen Wall und Jungfernstieg zerschlagen, die Auslagen und Geschäfte geplündert.

Fotos dieser Taten in Hamburg sind rar. Vielfach gibt es, wenn überhaupt, nur Aktenvorgänge über die Organisation der später folgenden Verbrechen, der Inhaftierung oder gar Tötung der zahllosen Opfer. Das nebenstehende Bild aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zeigt den Brief eines Häftllings des Konzentrationslagers Fuhlsbüttel. Dieser Brief wurde, wie die gesamte Gefangenenpost, von der politischen Polizei, der "Staatspolizei" gelesen und kontrolliert.

Doch auch wenn Fotos kaum zu finden sind, so konnten Historiker in Dokumenten und durch Zeitzeugengespräche viele Details über die Reichspogromnacht in Hamburg zusammentragen. Jürgen Sielemann vom Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg hat hier Grundlagenarbeit geleistet Mehr dazu in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 83, Teil 1, Hamburg 1997.

Dr. Frank Bajohr von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg hat die Novemberpogrome von 1938 ergänzend in den nationalen historischen Zusammenhang eingeordnet - unter besonderer Berücksichtigung der konkreten Ereignisse in Hamburg: Ausverkauf, Liquidation und Bereicherungswettlauf: "Entjudung" und "Arisierung" ab November 1938.

Wir möchten an dieser Stellen beiden Historikern danken, dass sie ihre Texte hier zur Verfügung stellen.